Pause, Petzels auf und weiter.
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Pause, Petzels auf und weiter. Nach 2 Stunden Pause beschlossen wir in der Gouter – Hütte, das Grand Coulior heute noch abzusteigen. Der Abstieg bis zur Traverse ging zügig und ohne Probleme, aber eine Naßschneelawine hatte die Spur der Traverse verschwinden lassen und in der Mitte entdecken wir eine 1,5 Meter breite Rinne. Stefan und ich gehen vor, wobei ich noch eine Spur in den Schnee treten mußte, der nicht mehr so viel Halt geboten hat, wie 1 1/2 Tage zuvor, über die Rinne sind wir nach kurzem Zögern einfach rüber gesprungen. Danach folgte ein Steinschlag, dann Dirk und Peter und dann wieder ein Steinschlag – geschafft. Die erfolgreiche Durchführung von Plan B lag in greifbarer Nähe. Gemütlich und entspannt ging es zur Bergbahnstation
Plan A (auf den Mont Blanc klettern) war an dieser Stelle erfolgreich abgeschlossen – wir machten uns nun daran Plan B (runterkommen und davon erzählen) durchzuführen. Weil absteigen viel einfacher als aufsteigen ist, konnten Peter und Horni schon bald ihre Rucksäcke, die sie in der Hütte deponiert hatten, wieder aufnehmen. Unser Wasser war nun endgültig alle und so beschlossen Peter, Dirk und ich, daß es besser ist, wenn Peter und ich schon einmal vorgehen, um von der Gouter-Hütte Wasser zu holen. Ich will jetzt nicht schon wieder mit Details langweilen, also kürze ich mal ab. Was in gemäsigten Höhen und auf einem Schlittenhügel ganz witzig wäre, ist über 4000m auf einem Gletscher einigermaßen prall: Peter und ich rannten den Dome du Gouter runter, was sehr schnell ging, wogegen Dirk und Horni gleich auf Isomatten runter rutschten, was noch schneller ging. Horni hatte aufgrund der Höhe nicht so viel geschlafen, aber sonst war noch alles im Grünen Bereich. Nach dem kurzen Frühstück legten wir unsere Ausrüstung an und reihten uns in die Karawane ein oder vielmehr hinten an: Wir waren do im allgemeinen die Letzten. Zwar nicht besonders schnell, aber mit stetigem Tempo ging es den Dome du Gouter hinauf. Horni fing an mit der Höhe zu kämpfen – es war nicht etwa seine Fitneß, die ihm zu schaffen machte (er hatte für das Projekt einen Trainingsplan zur Steigerung der Ausdauer absolviert) , sondern simpel die Übelkeit. Unsere Geschwindigkeit verringerte sich permanent, aber war nach wie vor akzeptabel. Inzwischen war es hell geworden, die letzte Schutzhütte vor dem Gipfel war in Sichtweite geraten und wir freuten uns auf eine Pause, die leider einen bitteren Beigeschmack hatte: Inzwischen waren unsere Wasservorräte schon so sehr dezimiert, daß wir in absehbarer Zeit keines mehr haben sollten. Ein ganz kleines bißchen erholt ging’s weiter aber das schöne Wetter, was uns bis jetzt begleitet hatte verließ uns genauso, wie wir immer mehr die Höhenluft zu spüren bekamen. Der Luftdruck auf dem Gipfel liegt bei ca.590 mbar – nicht sehr viel und bei 4400 Metern waren’s auch nicht viel mehr. Irgendwie haben wir uns dann doch noch, als eine der letzten Seilschaften über den Bosses-Grat (wo wir dank des Nebels nicht gesehen haben, wie es rechts nach Italien und links nach Frankreich runter geht) auf den Gipfel geschleppt. Immer noch etwas mit den Nerven fertig kamen wir auf der Gouter Hütte an. Das restliche Tagesprogramm bestand aus fressen, trinken, Ausrüstung vorbereiten (ja wir sind schlauer geworden) und versuchen zu schlafen. Die Sonne war zwar schon lange aufgegangen, aber der Hang des Grand Couloir lag noch im Schatten – nicht für lange. Nach einer kurzen Schneestapferei machten wir schon die erste Bekanntschaft mit einem Steinschlag – noch vor der Traverse – glücklicherweise hat nur mich ein Stein am Hintern erwischt und der war so klein, daß noch nicht einmal ein blauer Fleck blieb. Jetzt waren wir also vorgewarnt, trotzdem oder gerade deshalb sollte uns die Traverse noch einige Nerven kosten. Es fing damit an, daß wir noch nicht einmal gewußt hatten, daß es ein Stahlseil zur Sicherung gibt und wir anfingen zu improvisieren. Peter und Stefan gingen mit einer (viel zu kurzen) Bandschlinge rüber und hatten deshalb einige Probleme, weil sie dadurch nicht zügig passieren konnten. Dirk und ich haben ein 12 Meterseil genommen, es in der Mitte mit einem Schrauber ins Stahlseil gehängt und uns am Ende jeweils eingebunden – sehr praktisch und man kommt im Zweierpack rüber. Peter war jetzt mit den Nerven ziemlich fertig und die Panikstelle kam nun unmittelbar hinterher, eine kurze Felskletterei mit Klettersteig – technisch gesehen ein relativ einfacher Abschnitt, den wir auf dem Rückweg ohne Probleme passieren sollten – wir sicherten uns (sehr umständlich) und derweil schlug noch direkt neben uns ein Stein lautstark ein. Weil wir alle es irgendwie nicht auf die Reihe bekamen zügig voran zu kommen und wir uns noch in einem Steinschlag gefährdetem Bereich befanden, waren wir immer noch dabei die Nerven zu verlieren. Nachdem dann ein ziemlich brutaler Steinschlag das Couloir hinuntergewalzt war, wurden die ersten Stimmen von umkehren laut. Warum sind wir nicht zurück gegangen? Weil wir dachten, es ist schlecht noch einmal durch die Traverse zu gehen, denn die Sonne, die mittlerweile in den Hang schien, würde immer mehr Steine lösen. Das haben wir uns zumindest eingeredet. Der weitere Weg bis zur Hütte stellte sich dann nicht mehr als Problem heraus – Horni trieb uns durch seine permanenten Gasemissionen immer weiter voran … Wir wunderten uns nur über alle anderen, die in Seilschaft hoch oder runter gingen – wenn einer fällt, fallen alle, oder? Ganz genau (sagte Horsti)! Aufstehen, nicht waschen und frühstücken. Für diesen Tag hatten wir uns das Grand Coulior vorgenommen, aber wir kamen erst sehr spät los, weil wir die Steigeisen nicht eingestellt hatten, die Funktion vom Gurtzeug erst einmal peilen mußten, und so weiter. ![]() Die Bergbahn ist was fuer Weicheier Endlich tauchte die Rousse Hütte in Sichtweite auf. Nach ein paar Minuten erreichten wir auch diese und konnten ganz gemütlich ausruhen. Die Sicht in’s Tal hinunter war einfach klasse, obwohl es etwas dunstig war. Später machte sich mein Verdaungstrackt bemerkbar und während ich mir überlegte, ob ich dieses merkwürdige Klohäuschen überhaupt benutzen will, dachten Horni und Peter laut über die Funktionsweise nach: “Da geht bestimmt ein 50 Meter langes Rohr nach unten, damit die Scheiße hier oben nicht so stinkt.” Das Rohr war 1/500 so lang – es stank erbärmlich. Essen, schlafen gehen – das war der erste Tag: ca. 2000 Höhenmeter ohne große Schwierigkeit. ![]() Frühstück! Wie sich später herausstellte, war der folgende Abschnitt – die Autofahrt – der mit Abstand gefährlichste Teil des Trips: Irgendwo in der Schweiz schlief Dirk ein – dummerweise war er zu diesem Zeitpunkt der letzte wache Fahrzuginsasse und saß auch noch vorne links. Hornis Golf fuhr also mehr oder weniger unkontrolliert mit 100 Sachen auf der Autobahn rum. Tja so mußte dann ein Begrenzungspfahl, ein Scheinwerferglas und ein Blinker dran glauben. Außerdem war Dirk danach ziemlich fertig. In Chamonix angekommen war erst einmal glotzen und Frühstücken angesagt. Da wir noch nicht alles an Ausrüstung und Proviant hatten wurde noch ein bißchen eingekauft und dann gings zu unserem Ausgangspunkt nach Les Houches – nicht weit von Chamonix. Nach mehr oder minder zweckmäßigem packen der Rucksäcke liefen wir bei sehr schönem Wetter los, aber schon nach wenigen Metern stellte sich das erste Hindernis in den Weg – ein netter kleiner Gebirgsbach. Ein bißchen hüpfen, ein bißchen springen und weiter gings strupiede den Berg hoch. Später sollte uns dieser nette kleine Bach noch zum Verhängnis werden … Irgendwann hörten ‘mal die Bäume auf und kurze Zeit später stießen wir auf die Bergbahn, die 99% aller Bergsteiger nehmen. Wir haben noch ein bißchen aufgepaßt, daß uns das Ding nicht platt macht und kamen dann auf 2300 m an. Irgendwie war das bis jetzt nur eine nette Bergwanderung und bis zur Hütte sollte sich daran auch nicht so viel ändern: Abgesehen davon, daß jemand die verbliebene Vegetation durch Schneefelder substituiert hatte und wir noch ein paar häßliche Gämse anschauen durften. Es ging los – Ich saß im Zug auf dem Weg nach Darmstadt. Obwohl uns viele Leute von dem Unternehmen abgeraten hatten, versuchten wir es. Nur einer hatte etwas Optimismus verspüren lassen: Horst Oster, unser Cousin aus Rosenheim – eigentlich wollte Mama, daß er uns von der Idee abbringt; naja war keine gute Idee von Mama. Horsti ist seit ca. 20 Jahren Bergsteiger und hat schon so Späßchen wie den McKinley gemacht und diverse Berge Südamerikas bestiegen. Von ihm kam also das Statement, dass der Mont Blanc ein schöner Anfängerberg ist und wir “desse mal mache solle”. In Darmstadt hab ich noch ein bißchen Zeug gekauft und mich dann aufs Ohr gehauen. |
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