Die Sonne war zwar schon lange aufgegangen,aber der Hang des Grand Couloir lag noch im Schatten –nicht für lange.
Nach einer kurzen Schneestapferei machten wir schon die erste Bekanntschaft mit einem Steinschlag –noch vor der Traverse –glücklicherweise hat nur mich ein Stein am Hintern erwischt und der war so klein,daß noch nicht einmal ein blauer Fleck blieb. Jetzt waren wir also vorgewarnt,trotzdem oder gerade deshalb sollte uns die Traverse noch einige Nerven kosten. Es fing damit an,daß wir noch nicht einmal gewußt hatten,daß es ein Stahlseil zur Sicherung gibt und wir anfingen zu improvisieren.
Peter und Stefan gingen mit einer (viel zu kurzen) Bandschlinge rüber und hatten deshalb einige Probleme,weil sie dadurch nicht zügig passieren konnten.
Dirk und ich haben ein 12 Meterseil genommen,es in der Mitte mit einem Schrauber ins Stahlseil gehängt und uns am Ende jeweils eingebunden –sehr praktisch und man kommt im Zweierpack rüber.
Peter war jetzt mit den Nerven ziemlich fertig und die Panikstelle kam nun unmittelbar hinterher,eine kurze Felskletterei mit Klettersteig –technisch gesehen ein relativ einfacher Abschnitt,den wir auf dem Rückweg ohne Probleme passieren sollten –wir sicherten uns (sehr umständlich) und derweil schlug noch direkt neben uns ein Stein lautstark ein. Weil wir alle es irgendwie nicht auf die Reihe bekamen zügig voran zu kommen und wir uns noch in einem Steinschlag gefährdetem Bereich befanden,waren wir immer noch dabei die Nerven zu verlieren. Nachdem dann ein ziemlich brutaler Steinschlag das Couloir hinuntergewalzt war,wurden die ersten Stimmen von umkehren laut.
Warum sind wir nicht zurück gegangen? Weil wir dachten,es ist schlecht noch einmal durch die Traverse zu gehen,denn die Sonne,die mittlerweile in den Hang schien,würde immer mehr Steine lösen. Das haben wir uns zumindest eingeredet.
Der weitere Weg bis zur Hütte stellte sich dann nicht mehr als Problem heraus –Horni trieb uns durch seine permanenten Gasemissionen immer weiter voran …Wir wunderten uns nur über alle anderen,die in Seilschaft hoch oder runter gingen –wenn einer fällt,fallen alle,oder? Ganz genau (sagte Horsti)!


